EINIGE GEDANKEN…..

…..ÜBER PAZIFISMUS UND PAZIFISTISCHE LIEDER

 

AM BEISPIEL DES PAZIFISTISCHEN LIEDES „NEIN, MEINE SÖHNE GEB ICH NICHT“ VON REINHARD MEY AUS DEM JAHRE 1986

 

Die Zeiten sind danach, dass auch wieder viele pazifistische Lieder zu Ehren kommen, welche teilweise schon vor Jahrzehnten in vielen Mündern waren. Und man muss auch eingestehen, dass solche Lieder in der Regel sehr berührend sind. Die ganz überwiegende Mehrheit der Menschen, sowohl in unserem Land, wie auch auf der Welt, sind friedliebend und so ist es auch nicht verwunderlich, dass solche Lieder insbesondere in die Herzen so vieler Menschen dringen. Zumal in solchen Texten mehr oder weniger deutlich ja eben auch die Gräuel von kriegerischen Auseinandersetzungen und deren menschlicher Opfer angedeutet, oder sogar dargestellt werden. Verständlich also, dass viele Menschen, welche der ganz überwiegenden Mehrheit derjenigen angehören, die eben auch aus ärmeren, arbeitenden Schichten stammen und menschlich, solidarisch und empathiefähig sind, von solchen Liedern berührt sind.

 

So ist es nicht verwunderlich, dass angesichts der massiven Kriegstreiberei, die derzeit stattfindet, und der real wachsenden enormen Kriegsgefahr, sehr viele Menschen ernste Befürchtungen bzgl. der weiteren Entwicklung haben. Das führt dazu, dass oben genannte Lieder wieder öfter gespielt und gehört werden und führt ebenfalls dazu, dass zigtausende junger Menschen Schulstreiks und Demonstrationen organisieren, die sich gegen eine Militarisierung der Gesellschaft und insbesondere gegen eine Wehrpflicht richten. Nun ist ja durchaus zu begrüßen, dass hier inzwischen Generationen herangewachsen sind, die man nicht mal so ohne weiteres in eine imperialistische Kriegsbegeisterung quatschen und für jedes Verbrechen missbrauchen kann. Aber es stellt sich doch die Frage, ob ein bloßes Verweigern von Wehrpflicht tatsächlich eine Lösung sein kann für die gesellschaftlichen Widersprüche, welche zu Kriegen führen, oder ob es da doch etwas mehr bedarf?

 

KANN PAZIFISMUS EINE LÖSUNG SEIN?

 

Was diese pazifistischen Lieder im Allgemeinen so durchzieht, ist die diffuse Beschreibung einer Macht im Hintergrund, die eben nicht so genau benannt wird. Beispiel:

          Ich denk´, ich schreib‘ euch besser schon bei Zeiten

          Und sag euch heute schon endgültig ab.

Oder:  Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben, …

Oder:  Sie werden nicht in Reih‘ und Glied marschieren

          Nicht durchhalten, nicht kämpfen bis zuletzt,

          Auf einem gottverlass`nen Feld erfrieren,

          Während ihr euch in weiche Kissen setzt.

Oder:  Wir haben nur dies eine kurze Leben,

          ich schwör`s und sag`s euch g`rade ins Gesicht,

          sie werden es für euren Wahn nicht geben, …

 

Dies sind jetzt Stellen aus obigem genanntem Lied, aber viele pazifistische Lieder verlieren sich ebenfalls in solch diffusen Beschreibungen, wenn es darum geht Verantwortliche, bzw. zugrundeliegende gesellschaftliche Verhältnisse zu benennen. Aber solche Auslassungen sind dann auch nur in der Logik solcher Passagen wie dieser:

          Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben,

Kein Ziel und keine Ehre, keine Pflicht

          Sind`s wert dafür zu töten und zu sterben, …

 

Ernsthaft, durchaus als Künstler geschätzter Reinhard Mey? Was ist an dem Hass, den große Teile der Weltbevölkerung gegen Faschisten, beispielsweise dem Nazi-Faschismus, entwickelt hatten verwerflich, welcher letzten Endes zu dessen Niederschlagung geführt hat? Was war an dem Hass der verarmten und in Leibeigenschaft geknechteten Bevölkerung auf den Feudaladel verwerflich, unter dessen brutaler Knute sie leben sollten? Und gab und gibt es für Menschen, die gegen Faschismus, gegen ihr Dasein im Feudalismus, aber auch gegen die Ausbeutung und Unterdrückung im Kapitalismus kämpfen, wirklich „…keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht …“? Wie sollten, und vor allem warum sollten dann ansonsten solche menschenverachtenden und rückschrittlichen Verhältnisse bekämpft und beendet werden?

 

Wenn es da heißt:

          Ich habe sie die Achtung vor dem Leben,

Vor jeder Kreatur als höchsten Wert,

Ich habe sie Erbarmen und Vergeben

Und wo immer es ging, lieben gelehrt.

 

Oder:  Ich werde sie den Ungehorsam lehren,

          Den Widerstand und die Unbeugsamkeit,

          Gegen jeden Befehl aufzubegehren

          Und nicht zu buckeln vor der Obrigkeit.

 

So sind doch Menschen, die in diesem Sinne erzogen wurden, geradezu prädestiniert dafür, den Kampf für bessere gesellschaftliche Verhältnisse aufzunehmen, wobei das Aufbegehren „…gegen jeden Befehl …“ natürlich falsch wäre. Beim militärischen Kampf in einer dem Fortschritt verpflichteten Revolution, im berechtigten Befreiungs- oder Verteidigungskrieg, sollte nämlich die Befolgung von sinnvollen und berechtigten Befehlen selbstverständlich sein.

 

Wer sollte diesen Kampf dann also übernehmen? Für jeden halbwegs gebildeten Menschen ist heutzutage klar, dass Verbrechen gegen Bevölkerungen durch totalitäre Herrschaft, das kriegerische Überfälle durch Imperialisten auf friedliche Staaten stattfinden. Wer soll Diktatoren, Faschisten, kriegslüsternen Imperialisten, also in den Arm fallen, wenn sich politisch weitgehend bewusste Menschen einen schlanken Fuß machen? Die Verbrechen, das Morden werden mit Sicherheit weitergehen, selbst wenn man versucht sich als Individuum dem zu entziehen. Wobei noch sehr die Frage ist, wie sehr oder wie lange ein solches Entziehen überhaupt gelingen kann?

 

Es ist sicher zu begrüßen, wenn sich so viele junge Menschen heutzutage imperialistischer Kriegspropaganda verweigern. Aber das allein kann die gesellschaftlichen Widersprüche nicht lösen. Die NATO-Staaten haben beispielsweise die Wehrpflicht in einigen Staaten seit langem weitestgehend abgeschafft, in anderen sogar ganz abgeschafft. Das hat sich aber für die von der NATO-Bande überfallenen Menschen in keiner Weise positiv ausgewirkt. Bombardierungen, Landraub, Mord und Totschlag fanden trotzdem in einem wahnsinnigen Umfang statt, auch wenn nach außen nicht immer Nato draufstand. Und wir Menschen in Deutschland haben natürlich auch eine Mitverantwortung, wenn sozusagen in unserem Namen und mit den von uns erarbeiteten Mitteln ein solches Massaker an Zivilbevölkerung wie derzeit in Gaza stattfindet. Da reicht es eigentlich nicht, sich lediglich gegen Wehrpflicht und imperialistische Aufrüstung zu wenden, da gilt es eigentlich gegen die gesellschaftlichen Grundlagen, die eine solch menschenverachtende und mörderische Vorgehensweise hervorbringen, auch konsequent vorzugehen im gesellschaftlichen Kampf.

 

 

EINIGE KOLLEGEN AUS BERLIN   Jahreswechsel 2025 / 2026

 

 

Interpretationen von obigem Lied

Reinhard Mey & Freunde - Nein, meine Söhne geb' ich nicht [Offizielles Video]   (youtube am 29.09.2020)

Reinhard Mey Nein meine Soehne geb ich nicht   (youtube am 29.09.2007)

 

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